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Schallschutz im Altbau: Der komplette Sanierungsguide

Von der Bestandsaufnahme bis zur fertigen Sanierung - alles, was Sie wissen mussen.

Altbauten haben ihren besonderen Charme: hohe Decken, Stuck, Holzdielen. Doch der Schallschutz entspricht oft nicht mehr heutigen Anspruchen. Die gute Nachricht: Mit den richtigen Massnahmen lasst sich auch in alten Gebauden ein zeitgemasser Schallschutz erreichen - ohne den historischen Charakter zu zerstoren.

1. Warum Altbauten so laut sind

Gebaude aus der Zeit vor 1960 wurden ohne verbindliche Schallschutznormen errichtet. Typische Schwachstellen sind:

Holzbalkendecken

Trittschall wird direkt ubertragen. Die typische Fullung mit Sand oder Schlacke reicht fur heutige Anspruche nicht aus.

Dunne Wande

Einfache Ziegelwande oder Leichtbauwande bieten nur minimalen Luftschallschutz.

Alte Fenster

Einfachverglasung und verzogene Rahmen lassen Aussenlarm fast ungehindert durch.

Schallbrucken

Durchgehende Balken, Rohrleitungen und Kabelkanale ubertragen Schall ins ganze Haus.

2. Bestandsaufnahme: Den Ist-Zustand ermitteln

Bevor Sie mit der Sanierung beginnen, sollten Sie den aktuellen Zustand dokumentieren:

  1. Schallmessung durchfuhren: Ein Akustiker misst die tatsachlichen Schallschutzwerte. Kosten: ca. 500-1.500 Euro.
  2. Bausubstanz analysieren: Welche Deckenart? Wandaufbau? Fenstertyp?
  3. Schwachstellen identifizieren: Wo dringt der meiste Larm ein?
  4. Zielwerte festlegen: Welchen Schallschutz wollen Sie erreichen?

Profi-Tipp:

Die Investition in eine professionelle Messung lohnt sich. Sie zeigt genau, wo die grossten Probleme liegen und verhindert teure Fehlmassnahmen.

3. Deckensanierung: Losungen fur Trittschall

Die Decke ist meist die grosste Herausforderung im Altbau. Je nach Budget und baulichen Moglichkeiten gibt es verschiedene Ansatze:

Variante 1: Trittschalldammung von oben

Empfohlen

Auf den vorhandenen Boden wird eine Trittschalldammung und ein neuer schwimmender Estrich oder Trockenestrich aufgebracht.

Verbesserung:
15-25 dB
Kosten:
80-150 Euro/m2
Aufbauhöhe:
4-8 cm

Variante 2: Abgehangte Decke von unten

Alternative

Unter der bestehenden Decke wird eine neue Decke mit Federschienen und Dampfmaterial abgehangt. Ideal wenn der Boden nicht angetastet werden kann.

Verbesserung:
10-20 dB
Kosten:
100-200 Euro/m2
Raumverlust:
8-15 cm

Variante 3: Kombinierte Sanierung

Maximum

Massnahmen von oben und unten werden kombiniert. Dies ist die effektivste, aber auch aufwandigste Losung.

Verbesserung:
25-35 dB
Kosten:
180-350 Euro/m2
Aufwand:
Sehr hoch

4. Wandsanierung: Luftschall reduzieren

Dunne Wande lassen sich durch Vorsatzschalen verbessern:

  • Metallstanderwerk mit Dampfung: 5-8 cm Aufbau, ca. 10-15 dB Verbesserung
  • Entkoppelte Vorsatzschale: Bestes Ergebnis durch vollstandige Trennung
  • Schwere Massnahmen: Zusatzliche Gipskartonlagen erhohen die Masse

Wichtig:

Die Vorsatzschale darf keinen direkten Kontakt zur bestehenden Wand haben! Jede Schallbrucke reduziert die Wirkung erheblich.

5. Fenster: Der unterschatzte Schwachpunkt

Alte Fenster sind oft die grosste Larmquelle. Der Austausch bringt enorme Verbesserungen:

FenstertypSchalldammungKosten pro Fenster
Einfachverglasung (Bestand)ca. 20 dB-
Standard-Doppelverglasungca. 32 dB400-600 Euro
Schallschutzglas Klasse 3ca. 37 dB600-900 Euro
Schallschutzglas Klasse 4ca. 42 dB800-1.200 Euro

6. Kosten und Forderungen

Eine umfassende Schallschutzsanierung im Altbau kostet typischerweise:

15.000-25.000 Euro
Kleine Wohnung (60 m2)
25.000-45.000 Euro
Mittlere Wohnung (100 m2)
45.000-80.000 Euro
Grosse Wohnung (150 m2)

Fordermoglichkeiten

  • KfW-Forderung: Im Rahmen energetischer Sanierung oft mitforderbar
  • Landerprogramme: Je nach Bundesland zusatzliche Zuschusse
  • Denkmalschutz: Bei denkmalgeschutzten Gebauden spezielle Forderungen
  • Steuerliche Absetzung: Handwerkerleistungen steuerlich geltend machen

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